20.07.2026

Buch "Vom kleinen Wohntraum zum fertigen Zuhause": MATERIELLE GÜTER REDUZIEREN (Einblick in Kapitel 9)

Seit vielen Jahren sprechen Chris & Caro in ihrem Podcast "tinyon" über Minhäuser und mehr. Nun haben die beiden ihr erstes Buch veröffentlicht. Lesende der NEW-HOUSING-Seite können regelmäßig Ausschnitte aus dem Werk lesen.

»EIGENTLICH HABEN WIR JA GAR NICHT SO VIEL. DAS PASST LOCKER INS TINY HOUSE«

Finde heraus, was du wirklich brauchst und von welchen Dingen du dich mit kleinen Tricks leicht trennen kannst.

Ein Leben im Tiny House heißt: Bewusst mehr vom Weniger. Die Schritte jedoch von der romantischen Vorstellung bis zum tatsächlich reduzierten Hausstand sind durchaus herausfordernd. Zu verstehen, wie und warum es überhaupt zur übermäßigen Anhäufung von Dingen im eigenen Haushalt kommt, hat uns geholfen, Verhaltensweisen zu etablieren, diese nach und nach loszuwerden.

Die Ursachen und Verhaltensweisen sind natürlich sehr individuell, das stetig steigende Angebot und die immer smarteren Bestell- und Bezahlmöglichkeiten im Onlineshopping verführen jedoch fast jeden zu unüberlegtem Konsum. In unserem Alltag fast allgegenwärtige Werbung, die uns erzählt, was wir alles brauchen, um endlich glücklich zu sein, trägt obendrein dazu bei, dass unsere Schränke voll sind. Und obwohl wir die Dinge, die uns dann im ersten Augenblick unverzichtbar erscheinen im nächsten egal geworden sind, tun wir uns schwer, sie wieder abzugeben. Man könnte sie ja irgendwann brauchen und teuer waren sie ja obendrein.

Dass all diese Dinge keinen echten Mehrwert für unser Leben bieten, sondern nur Raum, Zeit, Rohstoffe und Geld verschwenden, erkennen wir oft nicht. Als wir unsere zwei getrennten Haushalte zusammengeführt haben, war das eine große Chance, Ballast abzuwerfen. Durch das Packen von Umzugskisten wurden wir förmlich mit all unseren teils unwichtigen Dingen konfrontiert. Wir hatten eine grobe Vorstellung davon, wie viele Kartons wir in unser neues Haus mitnehmen konnten und viele waren das nicht. Wir waren also gezwungen, uns mit unserem Hab und Gut wirklich zu beschäftigen.

Was brauchen wir wirklich, um unseren Alltag komfortabel zu gestalten? Welche Gegenstände sind uns so wichtig, dass sie uns weiterhin durch unser Leben begleiten sollen?

Gerade das Räumen von Kellerabteilen und Dachböden, die gerne als Archiv für emotional Aufgeladenes von gestern dienen, war herausfordernd. In jeder neuen Kiste warten tausende Erinnerungen, die man Revue passieren lässt und mit dem Partner teilen möchte. Es braucht viel Disziplin, damit die Ausmist-Aktion nicht zum Diaabend wird.

Oft ist es aber auch viel banaler und weniger emotional aufgeladen. Von vielen Dinge, die wir abgegeben oder entsorgt haben, haben wir uns nicht getrennt, weil sie im neuen Haus zu viel Platz eingenommen hätten, sondern weil wir bisher schlicht zu faul gewesen waren. Offenbar hätten wir mehr Energie verbraucht, die Dinge zum Mülleimer zu tragen, als sie – bis wann auch immer – einzulagern. Menschen bevorzugen eben meist die scheinbar einfachen Lösungen. Vor allem, um solche Gegenstände loszuwerden, ist die 30-Tage-Challenge eine super Methode.

Die 30-Tage-Challenge. Eine spielerische Methode, wie beispielsweise die 30-Tage-Challenge, kann dir die Angst anzufangen nehmen. Wenn man die Challenge zu zweit macht, hat sie einen kompetetiven Charakter und ist so ein dankbarer Einstieg. Aber Vorsicht, sie klingt einfacher, als sie in der Umsetzung ist und entfaltet erst nach mehreren Tagen ihre volle Wirkung. Und so funktioniert sie: 30 Tage lang trennst du dich jeden Tag von Dingen. Deren Größe und Wert sind dabei unerheblich. Am ersten Tag mistest du eine Sache aus, am zweiten zwei, am dritten drei und so weiter. Erlaubt ist dabei, die Dinge zu verkaufen, sie zu spenden, zu verschenken, oder wenn es nicht anders geht, über den Hausmüll oder auf dem Wertstoffhof zu entsorgen.

Hältst du durch, hast du mit dem 30. Tag 465 Gegenstände weniger, die Platz brauchen und um die du dich kümmern musst. Es wird dich erstaunen, aber die Dinge, die du nun nicht mehr besitzt, waren dir höchstwahrscheinlich so egal, dass du sie auch nach langem Überlegen nicht mehr alle aufzählen konntest. Getreu dem Motto »Was ich nicht habe, kann ich nicht vermissen« ist diese Herangehensweise in Vorbereitung auf das Leben im Tiny House sehr zu empfehlen. Wenn du einen weiteren Motivationsschub brauchst, leg einen Empfänger der Gegenstände fest, die nicht auf dem Müll landen sollen. Möglicherweise gibt es auch in deiner Nähe ein Sozialkaufhaus oder Ähnliches, wo du aussortierte Dinge als Spende abgeben kannst. Jemand anderes kann die Dinge vielleicht wirklich noch brauchen und du hast etwas Gutes für Umwelt und Gesellschaft getan.

Packing Party. Es kann verschiedenste Gründe geben, warum selbst das erfolgreiche Loslassen vom »ersten Schwung« immer noch nicht für ein entspanntes Leben im Tiny House ausreicht. Sicherlich ist es sinnvoll, sich den Grundriss des geplanten Gebäudes im Maßstab auszudrucken und geplantes Mobiliar ausgeschnitten dort zu positionieren. Gerade weil das so schlüssig scheint, täuscht es aber über die eigentlichen Platzräuber hinweg. Um dem entgegenzuwirken, lohnt es sich, einen weiteren Filter über deine Dinge zu legen, der dir knallhart zeigt, was in deinem Alltag wirklich wichtig und sinnvoll für dich ist. Überspringe einfach den Moment am Tag des Einzugs, in dem du feststellst, dass nicht alles, was du mitgenommen hast, in dein Haus passt und parke deine Umzugskartons an einem neutralen Ort mit etwas Entfernung zum Tiny-House-Grundstück zwischen. Vorerst verstaust du ausschließlich die Dinge im Haus, die für deinen Tagesablauf absolut notwendig und unverzichtbar sind. Es erfordert dabei natürlich eine gesunde Portion Disziplin, den Begriff »notwendig« für sich passend zu definieren.

Ab diesem Zeitpunkt – sprich, mit dem ersten Tag des Einzuges – darf anschließend pro folgendem Kalendertag eine Sache aus dem Kartonlager zurück ins Haus geholt werden. Diese Methode wird allgemein als Packing Party bezeichnet. Mittlerweile gibt es viele unterschiedliche Abwandlungen, Berichte und Vlogs von Menschen, die das durchgezogen haben. Welche Herausforderungen hinter dieser regelmäßigen bewussten Entscheidung stehen, zeigt nicht nur die deutsche Komödie »100 Dinge« mit Florian David Fitz, sondern vielmehr das gelebte Projekt des Finnen Petri Luukkainen. Wir haben diese Vorgehensweise auch für uns genutzt. Dinge, die wir im Alltag mit Sicherheit gebrauchen werden, sind mit dem Einzug in unser Haus gewandert und wurden direkt verstaut. Die anderen, zum Glück wenigen Umzugskartons wurden bei Chris’ Eltern abgestellt. Für die Gartengeräte und unsere Fahrräder haben wir eine schriftliche Vereinbarung mit unserem Nachbarn getroffen. In seiner Scheune, die direkt an unser Grundstück anliegt, haben wir eine wenige Quadratmeter große Fläche abgesteckt, auf der wir die Gegenstände auf 10 Jahre abstellen können. Zwischenzeitlich haben wir aber auch schon wieder nachsortiert und ausgemistet.

Caro erzählt: »Im Verlauf unseres Ausmist-Prozesses hatte Chris eine kleine Erleuchtung. Ihm wurde immer mehr bewusst, dass sein lieb gewonnener Kickertisch im Laufe der Zeit eine neue Rolle als exzellenter Staubfänger eingenommen hatte. Das Teil wurde nicht mehr genutzt und war vom Highlight wilder WG-Partys zum Platzfresser mutiert. Trotzdem wurde er mehrfach mit umgezogen und in der Hoffnung, man könnte diesmal aber wirklich dank des Kickertischs wieder an die Erlebnisse der Vergangenheit anknüpfen, in der neuen Wohnung aufgebaut. Im Prozess des Loslassens wurde Chris dann klar, warum er so an diesem für ihn offensichtlich nutzlosen Ding hing. Es war nicht der Tisch als solcher, den er behalten wollte, sondern vielmehr die Erinnerungen an die wunderbaren Momente der Vergangenheit, die er nicht vergessen wollte. Das machte den Tischkicker so wichtig für ihn. Als er sich aber mit dem Gedanken an - freunden konnte, dass die Erlebnisse in seinem Kopf weiter existieren würden, war er plötzlich in der Lage, einfach loszulassen. Für ein gutes Gefühl entschied er sich dann, den Kicker an einen jungen Vater zu verschenken. Dieser hatte ihm versprochen, den Tisch wieder aufzumöbeln und seinem Sohn zu schenken. Win-Win, oder was meinst du?« [...]

9 Tipps für ein Leben mit Weniger:

Damit du deinen Weg unbeirrt weitergehen kannst und dabei mit etwas Glück sogar Unterstützung aus deinem Umfeld bekommst, haben wir dir mit den folgenden Tipps ein paar Leitplanken zusammengestellt.

  • Schaffe Platz für das Wesentliche - Sortiere regelmäßig deine Dinge aus und frage dich bei jedem Gegenstand: Brauche ich das wirklich? Macht es mein Leben besser? Wenn nicht, verabschiede dich davon.
  • Binde Emotionen nicht an Gegenstände - Frage dich immer, ob du bestimmte Gegenstände nur aus emotionalen Gründen behältst und welche das sind. Versuche, Erinnerungen und Erlebnisse im Herzen zu tragen, statt an Dingen festzuhalten. Eine gut sortierte Datenbank mit Bildern und Videos in der Cloud ist auch eine tolle Möglichkeit, Erinnerungen aufzufrischen und von den Erlebnissen der Vergangenheit zu zehren. Ein digitaler Bilderrahmen, der zum Beispiel mit einem USB-Stick oder per WLAN bespielt werden kann, ist eine tolle Ergänzung, erspart dir den Kauf von neuen Bilderrahmen.
  • Zeit statt Zeug - Mach dir bewusst, dass es beim Leben im Tiny House nicht nur um die Reduzierung deines Wohnraums geht, sondern auch um einen bewussteren Konsum. Willst du mehr Zeit für Erlebnisse oder mehr Dinge, die Platz wegnehmen?
  • Kommuniziere deinen neuen Lebensstil - Teile deinen Freunden und Verwandten mit, warum du dich für das Tiny House entschieden hast und welche Bedeutung der bewusste Konsum für dich hat. So vermeidest du unnötige Geschenke, kannst Missverständnisse bestenfalls frühzeitig vermeiden und erhältst vielleicht sogar Unterstüzung für deinen Weg
  • Sag, was du brauchst - Habe keine Hemmungen, offen zu sagen, was du wirklich benötigst. Das hilft dabei, passende und nützliche Geschenke für dich zu finden – wenn es doch mal eine Sache sein soll – die dein Leben bereichern, ohne dein Zuhause zu überfüllen. [...]

Weitere vier Tipps dazu, Kniffe wie du Dinge nutzen kannst ohne sie zu besitzen und wie du lernst deine minimalistische Einstellung mit der Geschenkkultur in deinem Umfeld in Einklang zu bringen, erfährst du in Kapitel 9 von 10.

Hier gehts zum Buch!

Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 1

Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 2

Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 3

Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 4

Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 5

Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 6

Hier geht's zum Einblick in das Kapitel 7

Und hier geht's zum Einblick in das Kapitel 8

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