Buch "Vom kleinen Wohntraum zum fertigen Zuhause": FINANZIEREN UND ABSICHERN (Einblick in Kapitel 7)
Seit vielen Jahren sprechen Chris&Caro in ihrem Podcast "tinyon" über Minhäuser und mehr. Nun haben die beiden ihr ersten Buch veröffentlicht. Lesende der NEW-HOUSING-Seite können regelmäßig Ausschnitte aus dem Werk lesen.
»MEINE HAUSBANK BIETET MIR SICHER DIE BESTEN KONDITIONEN FÜR MEIN TINY HOUSE.«
So bekommst du ein realistisches Bild von deinem Finanzbedarf, findest eine Bank, die dir hilft, deine Vision umzusetzen und Versicherungen, die dich und deine Investition absichern.
Für eine Finanzierung ist neben der Budgetplanung, also der Frage, wie viel Geld du insgesamt für dein Projekt benötigst, entscheidend, wie hoch deine mögliche Tilgungsrate und wie lange die Laufzeit deines Kredits sein müssen bzw. sollen. Beides richtet sich natürlich maßgeblich nach den Gesamtkosten des Projekts und deinem Eigenkapital, sollte aber auch auf dein ganz persönliches Konzept abgestimmt sein. Hier hilft ein Blick zurück auf deine Beweggründe für ein Leben im Tiny House, die du dir ja bereits vergegenwärtigt hast.
- Welche Rolle spielt bei der Entscheidung, in ein Tiny House zu ziehen, finanzielle Entlastung für dich?
- Erhoffst du dir vom Leben im Minihaus eine Reduzierung deiner bisherigen Kosten für die Miete einer Wohnung oder eines Hauses?
- Planst du, nur für eine gewisse Zeit im Tiny House zu leben oder soll es dauerhaft dein neues Zuhause sein?
- Betrachtest du dein Tiny House als Kapitalanlage?
Auf unserer abenteuerlichen Grundstückssuche gab es einige Rückschläge in Sachen Finanzierung. Was sich im ersten Momentwenig verständnisvoll angefühlt hat, waren rückblickend nachvollziehbare Beanstandungen unserer Bank. Aus unserer Erfahrung solltest du gerade beim Thema Baugrund darauf achten, dass …
- … der Preis des Grundstückes im Verhältnis zum Bodenrichtwert steht.
- … das Grundstück tatsächlich Baugrund und die Erschließung (inkl. Zufahrt) gesichert ist. Ein Grundstück, das diese Kriterien nicht erfüllt, wird häufig nicht finanziert.
- … du schon erste Informationen zu deinem Projekt vorlegen und Vorbehalte gegen Tiny Houses widerlegen kannst.
Aus Erfahrung können wir dir sagen, dass es für die Nerven nichts Schlimmeres gibt als Kosten, mit denen man nicht gerechnet hat. Stelle dich deshalb darauf ein, dass …
… häufig »ab«-Preise auf der Website der Hersteller präsentiert werden, die, abhängig von den persönlichen Sonderwünschen, schnell in die Höhe schießen können.
- … neben den reinen Baukosten auch noch Kosten für die Anlieferung bzw. Montage anfallen können.
- … Gewerke (in unserem Fall der Dachdecker) auf Materialien und Produkte spezialisiert sein können, was dich an diese bindet und Mehrkosten verursachen kann. Wir möchten gerne unsere wichtigsten Zahlen mit dir teilen:
Der Kaufpreis des Grundstückes mit 865 Quadratmetern sowie einem Anteil am Wegegrundstück zur Zufahrt und Erschließung waren 62.500 €. Hinzu kamen die Kaufnebenkosten und weitere Kosten für Bürokratie in Höhe von 5.686 €. Die Erschließung, Pflasterarbeiten sowie die notwendige Aufschüttung waren bei einer Begehung vorab durch das Tiefbauunternehmen mit ca. 15.100 € geschätzt worden. Die Verzögerung durch die Arbeiten über den Jahreswechsel, damit verbundene An- und Abfahrten der Maschinen, eine Umplanung durch das herausfordernde Gefälle des Grundstückes und die Mehrarbeit durch Fehlerinterpretation des Tiny-House-Planes haben diese Arbeiten um ca. 76 % verteuert. Naiv wie wir zum damaligen Zeitpunkt noch waren, sind wir davon ausgegangen, dass die vom Tiefbauer veranschlagten knapp 15.000 € schon alle Kosten beinhalten würden, die für eine Erschließung anfallen. Die zusätzlichen Kosten in Höhe von etwa 6.600 €, die dann doch noch auf uns zukamen, haben uns dann doch überrascht. Unser erstes Tiny-House-Angebot aus April 2020, damals noch ein standardisiertes Tiny House auf Rädern, lag bei ca. 69.000 €. Durch die intensive Beschäftigung mit uns und unseren Bedürfnissen wurde es ja schlussendlich dann ein Modulhaus in Holzständerbauweise. Im Verlaufe der Planung unseres Hauses hat sich dessen Preis um ca. 10 % erhöht. Vom ersten unverbindlichen Kostenvoranschlag im Mai 2021 mit guten 155.000 € bis zur Unterzeichnung des Kaufvertrags vergingen fast 2 Jahre. Fairerweise hat der Anbieter schon im ersten Richtpreis einen »Sicherheitspuffer für Preisschwankungen« von 9.000 € einkalkuliert. Durch unsere individuellen Anpassungswünsche, eine höhere Komplexität beim Verlegen der Stromleitungen für die Fußbodenheizung über mehrere Etagen, den Wechsel des Dachdeckers und eine Verteuerung von Produkten und Materialien beliefen sich die Gebäudekosten in unserer Kalkulation am Ende auf 170.000 €. Zum Hauspreis kamen noch Kosten von 4.770 € für lokale Unternehmen, um das Haus vor Ort zu positionieren und an Strom- bzw. Wasser anzuschließen.
[Im Buch findest du an dieser Stelle alle Kostenblöcke im Detail und noch viele weitere Tipps dazu.]
[...] Aufgrund der steigenden Beliebtheit der kleinen Häuser haben einige Banken inzwischen spezielle Kreditangebote für diese Hausform und Nutzung zusammengestellt. Diese sind zum Beispiel:
- PSD Bank
- Ethik Bank
- Umwelt Bank
- Sparda Bank
- GLS Bank
Wir hatten den Eindruck, dass diesen Banken Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung tatsächlich wichtig sind und sie deshalb auch offen für alternative Wohnkonzepte sind. Oft mussten wir genau diese Banken eben nicht erst mit Basis-Wissen über Tiny Houses versorgen, um ein Angebot zu erhalten. [...]
Wenn die Finanzierung steht, solltest du dich um die Versicherungen für dein kleines Haus kümmern. Inzwischen gibt es spezielle, auf kleine Häuser zugeschnittene Gebäude-, Hausrat-und Transport-Versicherungen. Bei unserern Recherchen sind wir dabei auf Angebote von Gothaer, Allianz und Vivema gestoßen, wobei sich der Markt laufend weiterentwickelt. [...]
Damit dein Berater oder Makler dir ein passendes Angebot machen kann, ist es hilfreich, wenn du die Antworten auf die folgenden Fragen in petto hast. Bei Fragen, die du selbst nicht beantworten kannst, kann dir meist der Haushersteller helfen. Unserer hat uns glücklicherweisebei vielen Themen rund ums Haus unter die Arme gegriffen. Und keine Angst, auch du als Bauherr solltest nicht den Anspruch an dich haben, alle Fragen selbst beantwortenzu können. Mut zur Lücke: Leite die jeweils relevanten Punkte dieser Liste einfach an deine Projektpartner weiter. Das spartallen Beteiligten Zeit und Energie.
- Wann planst du ungefähr einzuziehen?
- Wird das Haus ausschließlich selbst genutzt oder kannst du dir vorstellen, es auch zu vermieten?
- Ist geplant bzw. absehbar, dass dein Tiny House für länger als 120 Tage ununterbrochen leer stehen wird? Die meisten Versicherer bewerten ein unbewohntes Gebäude als stärker gefährdet, da dort beispielsweise unbemerkte Wasser- oder Sturmschäden bzw. ein Einbruch oder Vandalismus nicht umgehend entdeckt werden. Steht dein Tiny House also länger leer, gilt es unter Umständen nicht als ständig bewohntes Wohnhaus und fällt dann unter eine andere Risikoklasse.
- Handelt es sich um ein reines Einfamilienhaus?
- Welche Bauart bzw. welcher Gebäudetyp liegt vor?
- Welche Gesamtwohnfläche besitzt das Tiny House?
- Sind die Außenwände des Gebäudes überwiegend aus Holz oder hat das Gebäude eine weiche Bedachung? Holz als brennbarer Baustoff führt zu einem erhöhten Brandrisiko. Eine weiche Bedachung, z. B. aus Stroh, kann unter Umständen schneller durch Sturm, Hagel oder Feuer beschädigt werden als harte Bedachungen aus Ziegeln. Daraus ergibt sich möglicherweise ein Versicherungszuschlag. [...]
[Diese und viele weitere wichtige Kontrollfragen findest du im Kapitel des Buches.]
Wie du den finanziellen Bedarf für dein Tiny House Projekt realistisch ermittelst, nachhaltige Erstgespräche mit Banken führst und dein kleines Haus versicherst, lernst du in Kapitel 7 von 10.
Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 1
Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 2
Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 3
Hier geht´s zum Einblick in das Kapitel 4
