Mikro-Unterkünfte für Menschen in Notsituationen
Die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland steigt. Drei Initiatoren zeigen, wie eine Unterstützung der Betroffenen durch Tiny Houses aussehen kann – und wie wichtig es ist, auch mal die Tür hinter sich zumachen zu können.
Van Bo Le-Mentzel hat ein Faible für Tiny-Häuser. Schon seit 15 Jahren beschäftigt er sich mit der Idee des Wohnens auf kleinstem Raum. Den Anspruch, weiterhin die heute in Deutschland durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche von über 48 Quadratmeter bereitstellen zu können, hält er nicht für realistisch.
Flächenmäßig reduziertes Wohnen soll dabei trotzdem Spaß machen. Das war aber nicht der Anlass für den Architekten, sein Projekt NOT-Hotel ins Leben zu rufen. "Ich hatte diese Vignette für einen Parkplatz in unserer Straße von der Stadt bekommen und dachte, dass es gut wäre, diese Fläche für mehr zu nutzen, als nur ein Auto darauf abzustellen", erläutert der 48-jährige Berliner.
"Wenn auf dem Auto, also einem Pick-up, ein kleines Haus stünde, könnte darin jede Nacht jemand schlafen, der oder die keinen festen Wohnsitz hat und einmal für eine Nacht einen geschützten Raum braucht.“
Eine Nacht im NOT-Hotel
Das NOT-Hotel hat dabei auf seinen nur 2,5 Quadratmetern allerlei zu bieten: ein bis zwei Schlafplätze, eine Toilette, eine Kochmöglichkeit, eine Sitzdusche und einen Gasofen. "Wer eine Nacht hier verbringen möchte, muss sich anmelden – wie in einem Hotel", erklärt Architekt Le-Mentzel. „Reservieren kann man allerdings nicht.! Tatsächlich können Personen auch mal länger als ein Nacht bleiben, aber spätestens nach drei Nächten ist jemand anderes dran.
"Wenn es passt und wenn die Person es möchte, bieten wir eine von uns gekochte, warme Mahlzeit an. Ansonsten stehen in unserem ‚Kühlschrank‘ immer ein paar Vorräte mit einfachen Dosengerichten."
Aber wer ist eigentlich "wir"?
Das NOT-Hotel ist Teil der Berliner Kältehilfe und bekommt entsprechende finanzielle Unterstützung – auch von anderen Sponsoren. "Wir" sind vor allen Dingen aber Ehrenamtliche, die sich reihum darum kümmern, dass eben diese Vorräte aufgefüllt werden und das Tiny-Haus in Schuss gehalten wird – schließlich verfügt die Mini-Unterkunft über eine Trockentoilette, die saubergehalten werden muss.
Wer das NOT-Hotel nutzt, muss sich jeden Handgriff gut überlegen, denn viele Funktionen erfordern ein Herunterklappen oder Beiseiteschieben von Möbelteilen, sodass dann andere nFunktionen gerade nicht möglich sind. Stauraum unter der Arbeitsfläche heißt zum Beispiel., dass ich erst anfangen sollte, Gemüse kleinzuschneiden, wenn ich alle Utensilien aus dem Stauraum geholt habe.
Will ich hingegen an der Klapp-Schreibtisch-Platte arbeiten, brauche ich den Tritt, über den ich in den Wagen gestiegen bin. Toll ist, dass das NOT-Hotel bei all seiner Einfachheit und geringen Größe mit einem Gespür für besondere Räume entworfen wurde. So gibt es auf einer Seite eine Gaube im Wagen, die viel Tageslicht hereinlässt und zudem einen wunderbaren Sitzplatz "im Fenster" bietet. Dass unter diesem Platz die Trockentoilette ist, muss ja erstmal niemand wissen.
Gebaut ist das Tiny House in einfacher Holzständerbauweise mit Holzfaserdämmung und einem Dach aus Teerpappe mit Solarpanel. Derzeit entwickelt der Architekt ein weiteres Hotel, eine Nummer größer, also sozusagen in S statt in XS.
Das grundsätzliche Anliegen von Van Bo Le-Mentzel ist, andere mit seiner Idee anzustecken, Menschen ohne Obdach ihren Stellplatz als Standort für ein weiteres NOT-Hotel zur Verfügung zu stellen – bisher leider noch ohne Erfolg.
Sie wollen den ganzen Text lesen? Dann können SIe das im Magazin Kleiner Wohnen machen. Dort erfahren Sie, wie in Köln und Hamburg Menschen in Notsituationen mithilfe von Mikri-Unterkünften geholfen wird.
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Geschrieben wurde der Text von Nina Greve. Greve studerierte Architektur in Braunschweig und Kassel und arbeitet heute als freie Journalistin mit den Themenschwerpunkten Architektur, Bauen und Wohnen. Dabei gilt ihr besonderes Interesse Nachhaltigkeits- und Energiekonzepten im Neubau und bei der Sanierung. 2002 gründete sie das Journalismus-Büro abteilung12.
