Fünf Tiny-House-Mythen und was wirklich dahintersteckt
Anika Falke ist eine von drei Expertinnen der Tiny University und mit Falke Design gleich mehrfach selbstständig. Sie räumt mit fünf Erzählungen über Minihäuser auf.
Tiny Houses, Modulhäuser und Co. sind noch vergleichsweise junge Wohnmodelle. Für immer mehr Menschen aber ist das Konzept des reduzierten Lebens spannend. Weil sich so viele Menschen für Minihäuser interessieren, kursieren aber auch immer mehr Erzählungen über das Thema.
In der dritten Folge des NEW-HOUSING-Podcasts räumt Anika Falke von der Tiny University und von Falke Design mit einigen Mythen auf. Hier ist die Essenz aus dem Gespräch zum Nachlesen.
Mythos 1: Ein Tiny House gilt rechtlich nicht als richtiges Haus und weil ein Tiny House unter anderem mobil sein kann, darf es ja einfach aufgestellt werden.
Anika: „Das ist völliger Quatsch. Kleine Häuser müssen die gleichen Anforderungen erfüllen wie große Einfamilienhäuser. Welche Bauvorschrift das Haus einhalten muss, ist abhängig von der geplanten Nutzung. Sobald ein Haus dauerhaft bewohnt wird, gelten die üblichen Anforderungen – von der Landesbauordnung, vom Flächennutzungsplan, vom Bebauungsplan, wenn es einen gibt. Das gilt sowohl für das Eigenheim, als auch für Ferienobjekte, die länger als sechs Monate im Jahr vermietet werden.“
Mythos 2: Die deutsche Bürokratie lässt keine kleinen Häuser zu und die Gemeinde hat immer etwas gegen Tiny Houses.
Anika: „Das stimmt auch nicht. Auch das liegt zumeist an falscher Kommunikation. Unser Tipp ist immer: Nennt euer Bauvorhaben nicht Tiny House. Die einen denken an den Bauwagen von Peter Lustig. Andere denken an ein nachhaltiges Modulhaus. Sobald das Wort Tiny House fällt, bei Gemeinden oder Grundstückseigentümern, bleibt das Bauvorhaben immer schwer einzuordnen und vage, weil es zu viele Interpretationen zulässt. Wichtig ist in der Kommunikation mit der Gemeinde zu beschreiben, was das für ein Haus ist, welche Anforderungen es erfüllen muss. Wird das klar kommuniziert, ist es für Gemeindeverantwortliche einfacher, ein Bild von dem zu entwickeln, das gebaut werden soll. Grundsätzlich gilt: Wenn wir aufhören, Tiny Houses als Sonderfall zu betiteln, dann werden sie auch nicht als Sonderfälle behandelt. Wenn man sich an den Bebauungsplan hält, kann ein Bauvorhaben rechtlich nicht abgelehnt werden.“
Mythos 3: Ein Tiny House hat immer Räder und ist mobil.
Anika: „Unterschreibe ich auch nicht. Wir in der Tiny University haben vier Tiny-House-Typen formuliert: das Haus auf Rädern mit einer Straßenzulassung, das Mobilheim, auch mit Rädern, aber ohne Straßenzulassung, das Modulhaus und das kleine Fertighaus. All diese Häuser werden als Tiny House bezeichnet, weil das ja nur aussagt, dass es sich um ein winziges Haus handelt. Was aber winzig ist, ist für jeden Menschen individuell. Das kann eine Familie mit zwei Kindern sein, die sich reduzieren möchte. Für die kommt nicht das klassische Tiny House mit 20 Quadratmetern infrage, aber vielleicht ein Modulhaus mit 50 Quadratmetern. Insofern sind Tiny Houses nicht immer mobil und nicht bloß unter einer bestimmten Quadratmetergröße.“
Mythos 4: Tiny Houses sind ökologisch immer vorbildlich.
Anika: „Auch das lässt sich so nicht pauschal beantworten. Was sich ändert, ist der eigene Umgang mit dem Leben im Minihaus. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Wir wohnen seit fünf Jahren zu zweit auf 20 Quadratmetern. Dabei ist das Bewusstsein ein anderes. Wir verbrauchen weniger Müll, weniger Energie. Es ist also vor allem der nachhaltigere Lebensstil, als das Haus selbst. Das Gebäude ist abhängig von der Produktion, vom Wandaufbau, von der Technik. Nur weil das Haus klein ist, heißt es nicht, dass es zwangsläufig nachhaltig ist.“
Mythos 5: Tiny Houses sind nur etwas für Singles oder Ein-Personen-Haushalte.
Anika: Ich habe schon viele Häuser für Familien geplant, die modular den Wohnraum erweitern können oder modular bauen und anbauen und wieder etwas wegnehmen können, so dass Häuser flexibler gestaltet werden. Minihäuser sind also genau so gut für Familien wie für junge Paare möglich, die vielleicht in der Zukunft eine Erweiterung der Familie planen.
