30.09.2026

Die Tiny-House-Branche professionalisiert sich

Peter Lustig und sein Bauwagen waren einmal. Tiny Houses sind längst nicht mehr nur etwas für Aussteiger und Alternative. Immer mehr Investoren entdecken die kleinen Häuser als Business-Case.

Wer die NEW HOUSING bei ihrer ersten Ausgabe 2018 besucht hatte, konnte vier verschiedene Tiny Houses besichtigen. Damals kamen vor allem Menschen, die reduziert und im Einklang mit der Natur leben wollen, die ihren Alltag anders bestreiten möchten als der Großteil der Bevölkerung. Zu dieser Besuchergruppe hat sich mittlerweile eine andere gesellt, für die Minihäuser ein ernst zu nehmendes Investment-Case sind.

Neue, potentere Aussteller und Campingtrend

Die Professionalisierung der Branche zeigte sich während der NEW HOUSING an mehreren Stellen. Auf Ausstellerseite präsentieren sich immer häufiger größere Player der Branche wie der Fertighaushersteller SchwörerHaus. Im Portfolio hat SchwörerHaus mittlerweile Tiny Houses mit 30 m², Minihäusern mit 50 m², aber auch Module, die unterschiedlich zusammengesetzt werden können.

Ein weiterer Punkt, an dem die Professionalisierung der Branche deutlich wird, ist der Tourismus. Mit dem Bundesverband Campingwirtschaft in Deutschland war ein Aussteller bei der NEW HOUSING 2026, der sich klar an Campingplätze richtet, die Tiny Houses anbieten. Der Campingboom in Deutschland ist auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Campingplatzbetreiber Minihäuser in ihr Portfolio mitaufnehmen.

So werden neue Besuchergruppen erschlossen, die Wert auf mehr Annehmlichkeiten im Vergleich zum Zelt oder Wohnmobil legen. Damit lassen sich für Campingplatzbetreiber höhere Übernachtungsraten erzielen. Außerdem wird der Campingzeitraum verlängert – und zwar auf das gesamte Jahr.

Weiro ist ein Hersteller von Freizeitbauwagen und Tiny Houses. Obwohl der Begriff Bauwagen zwar an Peter Lustig erinnert, hat das Geschäftsmodell der Niedersachsen nichts damit zu tun. Während der NEW HOUSING waren die Ausstellungsstücke von Weisig die Publikumsmagneten – und verkauft wurden sie obendrein.

Business Day der NEW HOUSING

Nicht zuletzt zeigt sich die Professionalisierung am Konzept der NEW HOUSING, Europas wichtigster Veranstaltung für Kleinwohnformen. Erstmals hatten die Veranstalter den Business Day angeboten. Der richtete sich speziell an Investoren, Kommunen und Tourismusbetreiber.

„Die Branche ist nicht mehr die, die sie noch vor sieben oder acht Jahren war. Tiny Houses sind dem Nischenthema längst entwachsen. Ich bin überzeugt, dass sich der Anteil von Minihäusern in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren signifikant nach oben bewegen wird. Wir sehen das bei unseren Ausstellern, wir sehen das bei unseren immer besser informierten Besuchern. Wir sehen das aber auch beim Interesse an unserem Business Day“, sagt Florian Klag, Projektleiter der NEW HOUSING.

Das Business-Day-Konzept kam an. Mehr als 120 Besucher aus 13 Ländern kamen, um sich zu informieren und um zu investieren. Viele der angebotenen Projekte wurden oder sollen noch realisiert werden. Auch Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen informierten sich beim Business Day über Möglichkeiten, Tiny Houses im großen Stil als weitere Bebauungsmöglichkeit zuzulassen.

Politische Rahmenbedingungen Auch die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt und befasst sich zunehmend mit Tiny Houses. Mit dem Gebäudetyp E könnten Minihäuser künftig schneller ihren Weg in die Kommunen finden – dank des Wegfalls überflüssiger Standards, der Materialfreiheit und der rechtlichen Sicherheit, dass ein Abweichen von der Norm keine Absage an ein Tiny House bedeutet.

Angestoßen hatte den Gebäudetyp E die Architektenkammer. Andreas Grube, Bezirksvorsitzender der Kammer in Karlsruhe/ Nordbaden, sagt: „Wir begrüßen den neuen Gebäudetyp, weil sich die Energiebilanz nun auch über die Materialien verbessern lässt. Das hilft unserem Berufsstand beim nachhaltigen Bauen.

Vor zehn Jahren spielten Kleinsthäuser noch keine Rolle – das hat sich stark geändert. Die Menschen nehmen sich bewusst zurück und reagieren auf knapper werdende Flächen: Es geht darum, auf geringem Platz etwas Wunderbares zu realisieren.“

Mit dem Bau-Turbo wurden weitere Voraussetzungen geschaffen, um Tiny Houses zu erleichtern. Der Tiny House Verband sprach gar von einem möglichen „Minihaus-Boom“.

Ob er kommt, wird die Zeit bis 2030 zeigen – so lange gilt der Bau-Turbo.

Die genannten Entwicklungen machen deutlich: Wer bei Tiny Houses an Hippies und Aussteiger denkt, hat die Zeichen der Zeit verkannt. Ob nun Modulhäuser, Mikrohäuser oder andere Kleingebäude, wer großes Geld verdienen will, sollte in kleine Häuser investieren.

Dieser Text ist im Jahresmagazin "Kleiner Wohnen" von Johannes Laible erschienen. Die gesamte Ausgabe gibt es HIER.

Geschrieben wurde der Text von Matthias Jundt. Jundt ist studierter Politikwissenschaftler, Zeitungs- und Onlineredakteur mit vielen Jahren Erfahrung in der Branche und seit vier Jahren PR-Manager der NEW HOUSING bei der Messe Karlsruhe. Er betreut die Pressearbeit, kümmert sich um deren Social-Media-Kanäle und konzipiert und moderiert den NEW-HOUSING-Podcast.

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