Die "100 Euro Wohnung"
Aus KLEINER WOHNEN: Die "100 Euro Wohnung" ist die kleinste Wohnung Deutschlands und kostet zwischen 100 und 300 Euro Warmmiete. Kann sie die Wohnungsnot beenden?
Entworfen wurde die Wohnung 2016 von dem Berliner Tiny-House-Architekten Van Bo Le-Mentzel und ist als konstruktiver Beitrag zu verstehen, um im Wohnungsneubau schnell, seriell und sozial Wohnraum zu schaffen.
Die Wohnung ist mit einer Miniküche, einem eigenen Badezimmer und einer kleinen Wohnküche ausgestattet. Der Schlafbereich mit einer 140 × 200 Zentimeter großen Matratze ist auf der Decke des Badezimmers angeordnet.
Auf diese Weise können auf sehr kompakter Wohnfläche mehrere Funktionen organisiert werden. Die Proportionen sind einem Tiny House nachempfunden. Wie in Tiny Houses üblich, ist die Wohnung nur 220 Zentimeter breit, aber dafür mit 340 Zentimeter so hoch, dass auch große Menschen sich nicht eingeengt fühlen.
Nicht mal 10 Quadratmeter
Und nun kommt der Haken: Die Wohnung ist nur 9 Quadratmeter groß. Für Menschen ohne Tiny-House-Erfahrung unfassbar klein. So klein wie keine andere Wohnung in Deutschland.
Die „100 Euro Wohnung” ist das Ergebnis einer mehrjährigen Forschung der Tiny Foundation, die sich mit den Fragen auseinandersetzt: Welche Miete ist für alle Menschen bezahlbar? Wie viel Autonomie und wie viel Gemeinschaft braucht ein Mensch? Welche ökologischen Vorteile entstehen durch Kleinstwohnungen?
Die Wohnungsfrage
Es fehlen in Düsseldorf aktuell 4690 Wohnungen. Gestiegene Baukosten und der Fachkräftemangel führen dazu, dass nicht genügend neue Wohnungen entstehen. Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, müssen vor allem die Nachwuchskräfte (Azubis) in der Stadt unterkommen. Diese finden aber keine Wohnung. Ein Teufelskreis, der jetzt schon alarmierende Zustände hervorruft: 50 Prozent aller Azubis brechen ihre Ausbildung ab. Folge: Anstieg der Obdachlosigkeit. Freie Wohnungen werden weniger – und teurer!
Düsseldorf reiht sich ein in die Liste der Großstädte in Deutschland, die mit der offenbar unlösbaren Wohnungsfrage konfrontiert sind. Da die Bevölkerung in Düsseldorf weiter wächst, werden bis 2040 mehr als 55.000 neue Wohnungen benötigt. Demnach gehört Düsseldorf zu den Städten mit dem höchsten Wohnungsbedarf in NRW.
Gleichzeitig zählt Düsseldorf zu den zehn teuersten Städten Deutschlands. Der Mietpreis beträgt mittlerweile 16,04 Euro pro Quadratmeter für Neubau-Angebotsmieten – zuzüglich Nebenkosten und Strom.
Bezahlbar, wenn ...
Als bezahlbar gilt, wenn die Miete weniger als ein Drittel des Haushaltseinkommens beträgt. Eine Azubi in einer Bäckerei bekommt in Düsseldorf 930 Euro Gehalt und kann sich demnach eine Warmmiete von weniger als einem Drittel leisten.
Bezahlbar für diese Einkommensgruppe bedeutet eine Warmmiete von maximal 330 Euro warm. Der Mangel an bezahlbaren Wohnraum ist zu einer sozialen Frage geworden.
Wohnungsfrage=soziale Frage
Obwohl Düsseldorf die Großstadt in NRW mit dem höchsten Durchschnittseinkommen ist, ist Obdachlosigkeit auch in dieser Stadt ein Thema. Mehr als 700 Wohnungslose hat die letzte Zählung ergeben. Das ist eine explosionsartige Steigerung von 80 Prozent zu den Vorjahren.
Die Zahl der Wohnungslosen bundesweit steigt ebenfalls und wird mit rund 531.600 beziffert. Besonders Menschen ohne Netzwerke und wenig Einkommen sind betroffen: Seniorinnen, Witwer, Azubis, Studierende und Geflüchtete, aber auch Familien sehen sich zunehmend aufgrund von Eigenbedarfskündigungen mit drohender Wohnungslosigkeit konfrontiert.
Sie wollen mehr zur "100 Euro Wohnung" und zum Thema lesen, dann können Sie das imt Magazin Kleiner Wohnen machen.
HIER GEHT'S ZUR GESAMTEN AUSGABE
Geschrieben wurde der Text von Van Bo Le-Mentzel. Er ist der Leiter der Tiny Foundation und MItbegründer sowie Ehrenmitglied des Tiny House Verbands. Die „100 Euro Wohnung“ wurde von der Projektentwicklungsgesellschaft Gemeinwohlbau entwickelt. Die Gemeinwohlbau ist eine Initiative der gemeinnützigen Tiny Foundation und sucht Mitstreiter*innen. Wer Interesse hat, kann sich der Initiative anschließen oder investieren. www.gemeinwohlbau.de, www.tinyfoundation.org
