Der Bauturbo und Minihäuser: „Wenn die Kommune es will, steht uns ein Tiny-House-Boom bevor“
Ende vergangenen Jahres beschloss die Bundesregierung den sogenannten Bauturbo. Dieser soll Bauen beschleunigen. Aber kaum jemand weiß: Auch das Bauen von Minihäusern ist jetzt schon viel einfacher – wie Johannes Laible sagt.
Kommt es jetzt zum Tiny-House-Bauboom? Die Weichen dafür sind zumindest gestellt. Die Bundesregierung um Bundesbauministerin Verena Hubertz hatte im Oktober 2025 den sogenannten Bauturbo beschlossen.
Kurz zusammengefasst: Der Bauturbo beschreibt eine Sonderregelung im Baugesetzbuch, das mittels weniger Vorschriften und schnelleren Genehmigungsverfahren Bauen vereinfachen und so mehr Wohnraum schaffen soll. Bebauungspläne sollen flexibler sein, Gemeinden sollen mehr Möglichkeiten haben, Bauprojekte zu erlauben.
Sonderregelung gilt bis 2030
Ministerin Hubertz wird auf der Seite ihres Bauministeriums wie folgt zitiert: "Wir haben mit dem Bau-Turbo ein neues und mutiges Instrument, das unser Land voranbringen wird. Er ist eine Experimentierklausel und eine Chance für unsere Städte und Kommunen. Jetzt kommt es auf die Stadträte, Baudezernentinnen und kommunalen Verantwortungsträger an. Sie können den Bauturbo anwenden und bauen, dort wo es geht. Sie können nachverdichten, aufstocken, erweitern und umnutzen. Es ist ein Stück pragmatischer Fortschritt, den sich viele für unser Land wünschen. Wir als Bundesbauministerium werden die kommunalen Verantwortungsträger bestmöglich bei der Anwendung des Bau-Turbos unterstützen."
Der Bauturbo trat am 30. Oktober 2025 in Kraft und ist bis zum 31. Dezember 2030 wirksam. Schon die Ampel-Koalition wollte den Bauturbo auf den Weg bringen. Das Ende der Regierungskonstellation kam diesem Vorhaben aber in den Weg.
Nicht explizit angesprochen sind in der Sonderregelung Minihäuser. Johannes Laible, Herausgeber unter anderem des Magazins „Kleiner Wohnen“, sieht im Bauturbo aber eine echte Chance für Tiny Houses und Co., wie er gegenüber der NEW HOUSING sagt: „Es gibt im Rahmen der Gesetzesänderung Bereiche, die den Kleingebäudebereich betreffen. Hier geht es vor allem um das Bauen in zweiter Reihe, beispielsweise in Gärten von Einfamilienhäusern. Die Änderung betrifft aber auch Aufstockungen etwa auf ganz normalen Gebäuden, aber auch auf Garagen. Gerade diese wurde immer wieder diskutiert. Man könnte als bei größeren Wohnprojekten Kleingebäude auf Garagen setzen. Das war bislang nicht möglich.“
Wille der Gemeinde ist entscheidend
Hier aber greife jetzt der Bauturbo, fährt Laible fort: „Eine Kommune kann künftig Aufstockungen, zum Beispiel auf Garagen, zulassen, wenn sie das will. Das gleiche gilt für das Bauen in zweiter Reihe. Bislang sagten Gemeinden häufig, ihnen seien die Hände gebunden, das könne man nicht zulassen, weil der Bebauungsplan das nicht zulasse. Wichtig ist aber: Die Gemeinde kann auch weiterhin Nein sagen.“
Auch von Gesprächen auf der NEW HOUSING wisse der Tiny House Verband, dessen Mitglied Laible ist, dass viele Projekte an zu starren Bebauungsplänen bislang gescheitert waren: „Viele Menschen sagten uns, dass sie ihr Einfamilienhaus gerne für die Kinder freimachen wollen. Und gleichzeitig ein Tiny House für sich selbst in den Garten bauen möchten.“ Laible sehe hier auch eine Chance für die Gesellschaft, dass Generationen wieder enger aneinanderrücken könnten.
„Für den Boom ist die Tür offen“
Sehen wir also künftig wesentlich mehr Tiny Houses im Stadt- und Dorfbild? Laible: „Wenn die Kommune es will, dann steht uns ein Tiny-House-Boom bevor. Der Bauturbo regelt auch Nischenbebauungen, wo es früher schwierig war. Wenn wir die ersten Projekte sehen, bei denen das funktioniert, könnten viele weitere folgen.“
Sieht das Bundesbauministerium auch die Möglichkeit eines Tiny-House-Baubooms?
ANTWORT MINISTERIUM
INFO: UMSETZUNGSLABOR
Das Umsetzungslabor Bau-Turbo unterstützt Kommunen dabei, die neuen Spielräume des § 246e BauGB gezielt und wirksam zu nutzen. Das Ziel: bezahlbaren Wohnraum schneller, ökologisch und sozial verantwortlich zu realisieren.
Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Lernen und Erproben praxistauglicher Lösungen und der direkte Rückfluss in Politik und Gesetzgebung. Dafür verbindet das Umsetzungslabor Kommunen, die den Bau-Turbo anwenden (oder anwenden wollen), zu einer gemeinschaftlichen Lern- und Austauschplattform: offen, mutig, lösungsorientiert.
Eingeladen sind alle Kommunen, die vor der Aufgabe stehen, nachhaltigen und leistbaren Wohnraum zu schaffen – egal, ob bereits konkrete Projekte laufen oder erste Ideen entstehen. Jede Kommune bringt wertvolle Erfahrungen mit, die den Bau-Turbo weiterbringen.
Text: Bauministerium
